Wie funktioniert die Börse?

An der Börse werden Wertpapiere und Waren beziehungsweise die Rechte darauf unter beaufsichtigter Preisbildung gehandelt. Die Preise entwickeln sich frei, aber die Börsenaufsicht achtet darauf, dass keinerlei Marktmanipulationen (beispielsweise durch das Streuen von Gerüchten oder Insiderhandel) stattfinden können. Entsprechende Gesetze für den fairen Börsenhandel gibt es weltweit und schon sehr lange, Strafen gegen Verstöße können relativ empfindlich (bis zu mehrjähriger Haft) ausfallen. Die oberste Aufgabe einer Börse ist die freie Preisbildung zwischen den Marktteilnehmern.


Moderne Preisbildung an der Börse 


wallstreet© Rainer Sturm / pixelio.dePreise bilden sich heute an den Börsen der Welt grundsätzlich über den elektronischen Handel, auch die Händler auf dem Parkett sitzen vor Bildschirmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert wurden Preise allerdings aufgeschrieben und ausgerufen, was unter den beteiligten Händlern großes Vertrauen voraussetzte. Die heutige Form der Börse als Marktplatz entstand in Europa etwa im 16. Jahrhundert, Börsen als Handelsplätze sind aber älter und reichen bis in die Antike zurück. Die Börse in Brügge (Belgien) wurde 1409 gegründet, die ersten deutschen Börsen in Augsburg und Nürnberg 1540, Köln folgte 1553, Hamburg 1558. Seither konzentrierte sich der Handel unter großer Markttransparenz und Liquidität an den Börsen der Welt inklusive der Phänomene von Blasen und Crashs. Auch derivate Handelsinstrumente - also auf Basiswerte abgeleitete Optionen - sind relativ alt und wurden vermutlich schon in der Antike verwendet, möglicherweise sogar noch früher bei den alten Ägyptern. Neben der Börse gab und gibt es aber immer auch den außerbörslichen Handel (OTC = over the counter), der jedoch nicht der staatlichen Kontrolle wie der Börsenhandel unterliegt. Begrifflich stammt der Name von der "Geldbörse" (lateinisch bursa, altgriechisch býrsa [βύρσα]) ab, auch die Gründer der Börse in Brügge hießen bezeichnenderweise van der Burse und waren eine alteingesessene Kaufmannsfamilie. Von Anfang an bildeten sich Preise an der Börse, indem ein Händler für eine Ware ein Angebot ausrief und aufgrund steigender oder sinkender Nachfrage den Preis nach oben oder unten anpasste. Diese Preisbildung ermitteln heute elektronische Tools im Sekundentakt.


Wie sehen moderne Wertpapiere aus? 


Moderne Aktien sind Zahlen im Computer, die den Depot- und Cashbestand eines Marktteilnehmers anzeigen. Über Jahrhunderte war das Wertpapier tatsächlich ein Papier, ein aufwendig gestaltetes Dokument, das den Anteil an einem Unternehmen in Form einer Aktie verbriefte. Solche Papiere zu tauschen und aufzubewahren würde für den modernen Börsenhandel viel zu lange dauern, stattdessen buchen die Marktteilnehmer über ihre elektronischen Broker die Papiere gegen Cash ins Depot ein und können sie automatisch oder von Hand auf demselben Weg wieder verkaufen. Zu jedem Börsenhandel gehören Marketmaker, die Emittenten der Wertpapiere, die auch Derivate auf diese Papiere konstruieren (ETFs, Knock-outs, CFDs, klassische und binäre Optionen) und dafür sorgen, dass die Papiere gekauft und verkauft werden können. Sie sorgen damit für die Liquidität des Marktes und dafür, dass ein Marktteilnehmer jederzeit sein Papier zum börslich festgestellten Preis kaufen und verkaufen kann. Diese Liquidität ist nicht selbstverständlich, denn es muss sich schließlich für ein Wertpapier nicht in jeder Sekunde ein Verkäufer oder Käufer finden. Deren Rolle übernehmen daher die Marketmaker, während die Broker nur als Mittler zwischen Emittenten und Marktteilnehmern auftreten. Ein Broker verdient grundsätzlich nur am Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) und/oder gegebenenfalls einer Gebühr. Viele Broker treten dabei als Marketmaker auf. Damit der Handel liquide bleibt, hedgen sich Broker und Emittenten mit gegenläufigen Positionen zu denen der Marktteilnehmer. Sie verlieren also nicht, wenn der Trader gewinnt, sie gewinnen auch nichts am Verlust eines Traders.

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