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Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für zahnärztliche Behandlungen haben einen neuen Höchststand erreicht. In den ersten neun Monaten 2025 flossen bereits 14,1 Milliarden Euro in Zahnbehandlungen und Zahnersatz. Vor diesem Hintergrund fordert der CDU-Wirtschaftsrat eine stärkere Eigenbeteiligung der Patienten.
Nach den vorläufigen Rechnungsergebnissen der gesetzlichen Krankenversicherung stiegen die Ausgaben für zahnärztliche Behandlungen von Januar bis September 2025 auf rund 11 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem etwa 10,55 Milliarden Euro anfielen.
Deutlich moderater entwickelten sich hingegen die Kosten für Zahnersatz. Die Festzuschüsse in diesem Bereich beliefen sich auf rund 3,18 Milliarden Euro, was lediglich einen leichten Anstieg gegenüber den 3,11 Milliarden Euro des Vorjahreszeitraums darstellt.
Besonders auffällig ist der überproportionale Anstieg bei Parodontitis-Behandlungen. Die Ausgaben in diesem Segment wuchsen im Jahresvergleich um etwa zwölf Prozent – kein anderer zahnmedizinischer Leistungsbereich verzeichnete ähnlich hohe Zuwachsraten.
Die Kostenexplosion in diesem Bereich hat strukturelle Gründe: Mehr als die Hälfte der Erwachsenen ist von Parodontitis betroffen, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter stark ansteigt. Zudem wurden die Therapiemöglichkeiten in den vergangenen Jahren systematisch ausgeweitet, was medizinisch sinnvoll ist, da unbehandelte Parodontitis das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht und den Verlauf von Diabetes verschlechtert.
Von den steigenden Zahnarztkosten sind nicht alle Versicherten gleichermaßen betroffen. Ältere Menschen tragen eine überproportional hohe Last, da Parodontitis und umfangreiche Behandlungen mit dem Alter deutlich zunehmen. Auch Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Raucher haben ein erhöhtes Risiko für kostenintensive Zahnbehandlungen.
Krankenkassen mit einer älteren oder kränkeren Versichertenstruktur verzeichnen entsprechend höhere Ausgaben, was den Druck erhöht, Zusatzbeiträge anzuheben – eine Belastung, die alle Mitglieder unabhängig von ihrer individuellen Inanspruchnahme trifft.
Bereits heute übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung nicht alle zahnärztlichen Leistungen vollständig. Während Vorsorgeuntersuchungen, medizinisch notwendige Parodontitis-Behandlungen und einfache Füllungen komplett abgedeckt werden, müssen Patienten für höherwertige Materialien oder aufwendigere Lösungen erhebliche Eigenanteile leisten.
Besonders bei Zahnersatz fallen trotz Festzuschüssen oft hohe Zuzahlungen an. Keramikfüllungen, Inlays oder Implantate können Patienten mehrere hundert bis tausend Euro kosten. Die professionelle Zahnreinigung wird von den Kassen meist nur bezuschusst, während die tatsächlichen Kosten zwischen 80 und 150 Euro liegen.
Die Forderung des CDU-Wirtschaftsrats nach stärkerer Eigenbeteiligung stößt auf geteiltes Echo. Befürworter argumentieren mit der Entlastung der Beitragszahler angesichts der zweistelligen Milliardenausgaben für Zahnmedizin.
Kritiker warnen hingegen vor negativen Folgen: Bei weitgehender Privatisierung zahnärztlicher Leistungen könnten Patienten notwendige Behandlungen aufschieben oder ganz vermeiden – mit potenziell höheren Folgekosten für das Gesundheitssystem. Gerade bei Parodontitis könnte dies kontraproduktiv sein, da unbehandelte Erkrankungen nicht nur zu Zahnverlust führen, sondern auch andere Gesundheitsprobleme begünstigen.
Zudem würden einkommensschwächere Versicherte besonders belastet, da vorwiegend Besserverdienende über Zahnzusatzversicherungen verfügen, die Eigenanteile abfedern.
Die Zahlen verdeutlichen: Es sind nicht primär kosmetische Leistungen, die die Ausgaben in die Höhe treiben, sondern medizinisch notwendige Behandlungen – insbesondere im Bereich der Parodontitis-Therapie.
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