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Die klassische 60/40-Allokation zwischen Aktien und Anleihen verliert in der aktuellen Marktphase zunehmend ihre Schutzwirkung. Stattdessen gewinnt ein neues Modell an Bedeutung, das besser auf die strukturellen Veränderungen im Finanzsystem reagiert.

Warum traditionelle Portfolios nicht mehr ausreichen

Staatsanleihen, traditionell der Stabilitätsanker in Krisenzeiten, stehen durch hohe Verschuldungsraten, steigende Zinslasten und schwindendes Vertrauen unter Druck. Gleichzeitig werden Aktienmärkte von wenigen hochbewerteten Technologiewerten dominiert, deren Bewertungen optimale Rahmenbedingungen voraussetzen.

"In einer solchen Übergangsphase reicht ein eindimensionales Portfolio nicht mehr aus", betont Stefan Feulner, Kapitalmarktexperte mit 30-jähriger Erfahrung und Head of Content bei wallstreetONLINE.de.

Die drei Säulen der 60/20/20-Allokation

60% Aktien mit Substanz

Der Aktienanteil bleibt mit 60 Prozent der größte Block, wird jedoch qualitativ neu ausgerichtet. Statt auf Indexnähe setzt das Modell auf Substanzwerte:

  • Dividendenstarke Value-Titel
  • Immobilien- und Konsumgüterunternehmen
  • Gesundheitswerte
  • Energieunternehmen
  • Produzenten kritischer Rohstoffe

Diese Sektoren profitieren von realer Nachfrage, geopolitischer Relevanz und Preissetzungsmacht.

20% Liquidität und kurzlaufende Anleihen

Während Staatsanleihen ihre traditionelle Schutzfunktion teilweise eingebüßt haben, bleibt ein Stabilitätsblock von 20 Prozent entscheidend. Dieser dient weniger als Renditetreiber, sondern vielmehr als strategische Reserve:

  • Kurzlaufende Anleihen
  • Liquide Mittel
  • Flexibilität für Marktverwerfungen

20% Sachwerte als Absicherung

Der dritte Block trägt der Erkenntnis Rechnung, dass Vertrauen in traditionelle Finanzinstrumente selbst zum Risiko geworden ist:

  • Gold und Silber
  • Rohstoffnahe Anlagen
  • Schutz gegen Währungsabwertung
  • Absicherung gegen geopolitische Risiken

"Dass Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven aufstocken, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines strukturellen Misstrauens gegenüber dem bestehenden System", erklärt Feulner.

Strukturelle Treiber für die neue Allokation

Mehrere Faktoren machen die Neuausrichtung notwendig:

  • Steigende Inflation
  • Re-Industrialisierung
  • Massiver Ausbau von Rechenzentren durch KI
  • Strukturell höherer Energiebedarf
  • Verschärfter globaler Wettbewerb um strategische Metalle

Fazit: Robuster Rahmen für eine neue Finanzordnung

Die 60/20/20-Struktur ist keine defensive Rückzugsstrategie, sondern eine Antwort auf fundamentale Veränderungen. Sie akzeptiert, dass Wachstum volatiler wird, Inflation kein temporäres Phänomen ist und geopolitische Rivalitäten die Märkte dauerhaft prägen werden.

Während traditionelle Portfolios auf institutionellem Vertrauen basierten, setzt diese Allokation auf reale Werte, Knappheit und Flexibilität – und dürfte damit den veränderten Spielregeln der neuen Finanzordnung besser Rechnung tragen.

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