Magazin

Aktuelles aus Wirtschaft & Finanzen

Bleiben Sie informiert über die wichtigsten Entwicklungen in Wirtschaft, Märkten und Geldpolitik – verständlich erklärt und mit Relevanz für Ihren Alltag und Ihre Finanzen.

Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) offenbart das erhebliche fiskalische Potenzial einer Wiedereinführung der Vermögensteuer in Deutschland. Die im Auftrag der Linkspartei durchgeführte Analyse prognostiziert mögliche Steuereinnahmen von 147,4 Milliarden Euro jährlich – ein Betrag, der etwa 3,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Nur Vermögende im Visier

Das Steuerkonzept würde lediglich rund 700.000 Personen betreffen – knapp ein Prozent der deutschen Bevölkerung. Betroffen wären ausschließlich Bürger mit einem persönlichen Vermögen ab 2,3 Millionen Euro. Die Linke schlägt folgende Struktur vor:

  • Persönlicher Freibetrag: 1 Million Euro (2 Millionen für Paare)
  • Freibetrag für Unternehmensvermögen: 5 Millionen Euro
  • Progressiver Steuertarif:
    • Ab 1 Million Euro: 1 Prozent
    • Ab 50 Millionen Euro: 5 Prozent
    • Ab 1 Milliarde Euro: 12 Prozent

Wirtschaftliche Risiken nicht zu unterschätzen

DIW-Experte Stefan Bach warnt jedoch vor möglichen Ausweichreaktionen: "Investitionszurückhaltung, Wohnsitzverlagerungen ins Ausland und die Nutzung von Steuerschlupflöchern könnten die Einnahmen erheblich reduzieren." Im Extremfall könnte das Steueraufkommen um bis zu 80 Prozent sinken.

Bach empfiehlt daher eine schrittweise und international koordinierte Einführung, um Kapitalflucht zu minimieren. Höhere Freibeträge könnten zudem den Mittelstand und Unternehmen schützen, ohne das Steuerpotenzial bei Superreichen signifikant zu schmälern.

Fiskalische Entlastung für Bundesländer

Die Steuereinnahmen würden primär den Bundesländern zugutekommen. Bayern könnte laut DIW-Berechnungen mit zusätzlichen 19 Milliarden Euro jährlich rechnen, Thüringen mit 2,3 Milliarden Euro. Diese Mittel könnten für Infrastrukturprojekte oder soziale Maßnahmen eingesetzt werden.

Breite gesellschaftliche Unterstützung

Bemerkenswert ist die parteiübergreifende Zustimmung zur Besteuerung hoher Vermögen. Umfragen zufolge befürworten 66 Prozent der Unionsanhänger eine solche Steuer zur Verringerung ökonomischer Ungleichheit.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner kritisiert die aktuelle Steuerpolitik: "Superreiche profitieren überproportional von Steuererleichterungen, während Arbeitseinkommen stärker belastet werden."

Historischer Kontext

Die Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben, nachdem das Bundesverfassungsgericht 1995 das damalige Berechnungsverfahren für verfassungswidrig erklärt hatte. Grund war die ungleiche Bewertung von Immobilien im Vergleich zu Geldvermögen und Wertpapieren.

Die aktuelle Debatte findet vor dem Hintergrund wachsender sozialer Ungleichheit und angespannter öffentlicher Haushalte statt. Befürworter sehen in der Vermögensteuer ein Instrument zur Finanzierung dringend benötigter Bildungs- und Sozialprojekte, während Kritiker negative Auswirkungen auf Investitionsklima und Wirtschaftsstandort befürchten.

© 2025 Wirtschaft und Finanzen | Designed by Hurricane Media